Neue Konzepte und Finanzierungslösungen in der Textilsammlung

graffiti 3644132 1920

Unser Stakeholderprozess zu neuen Konzepten und Finanzierungslösungen in der Textilsammlung

 

Im Textilsektor der EU stehen in den nächsten Jahren wichtige Weichenstellungen bevor. Ab 2025 sieht die geänderte Abfallrahmenrichtlinie eine verpflichtende getrennte Textilsammlung für alle Mitgliedstaaten vor. Bis Ende 2024 prüft die Kommission außerdem die Festlegung von Zielvorgaben für die Vorbereitung zur Wiederverwendung und das Recycling von Textilien. Zu diesem Zweck legt sie dem Europäischen Parlament und dem Rat einen Bericht vor, der gegebenenfalls von einem Gesetzgebungsvorschlag begleitet wird. Im Ergebnis wäre damit in Zukunft nicht nur die getrennte Sammlung von Textilien verpflichtend, sondern es müssten unter Umständen auch von der EU fixierte Zielvorgaben für die Vorbereitung zur Wiederverwendung und das Recycling von Textilabfällen erreicht werden (siehe hierzu Abfallvermeidung im Textilsektor).

Umsetzungserfordernisse im Textilsektor

Das EU Kreislaufwirtschaftspaket (2015) führte zu wichtigen Änderungen der EU-Abfallrahmenrichtlinie

Was das für Österreich bedeuten könnte, ist noch völlig unklar. Zwar werden de facto in Österreich Alttextilien bereits flächendeckend gesammelt, jedoch handelt es sich dabei um nicht-gefährliche Siedlungsabfälle. Diese unterliegen bislang keiner Bundesregelung und fallen daher legistisch in die Länderkompetenz und operativ in die Andienungspflicht an die kommunalen Abfallwirtschaftsträger (Ausnahme Wien). Allerdings finden sich in den Landes-Abfallregelungen keinerlei explizite Verpflichtungen zur getrennten Alttextilsammlung, da diese bisher rein aufgrund der Nachfrage seitens gemeinnütziger oder privatwirtschaftlicher Sammler auf Basis von Vereinbarungen mit Kommunen oder zumindest mit Duldung der Kommunen erfolgt.

Das Mengenpotential des österreichischen Textilabfalls beläuft sich jährlich auf etwa 225.700 t.

Zukünftige Herausforderungen sind:

  • Das Bestreben der Kommunen, die Restmüllmengen weiter zu senken und daher eine vermehrte Alttextilsammlung zu forcieren, wodurch aber vermehrt schlecht verwertbare Textilien in die im Prinzip rein auf „tragbare Kleidung“ fokussierte Sammlung kommen;
  • Der starke Anstieg der in Verkehr gebrachten Textilmenge durch „fast fashion“;
  • Das Bestreben des Textilhandels, Faserrecycling zur technischen und wirtschaftlichen Marktreife zu bringen (derzeit noch nicht der Fall), was den Fokus der Sammlung von Wiederverwendung auf Recycling verlagern würde, wodurch die spezifischen Kosten steigen und die spezifischen Erlöse sinken würden;
  • Die größer werdende Skepsis der Bürger*innen aufgrund kritischer Medienberichte zur Textilsammlung;
  • Das stärker werdende Finanzierungserfordernis sozialer Integrationsunternehmen aufgrund von staatlichen Mittelkürzungen im Sozialsektor und der aktiven Arbeitsmarktpolitik bei wachsendem Bedarf an sozialen Integrationsleistungen und Armutsprävention, was zu einer größeren Abhängigkeit dieser Organisationen von Einnahmen aus der Textilsammlung und -verwertung führt;
  • Der nachfragegetriebene, aktuell sehr schnell steigende Online-Handel mit gebrauchten Textilien, der inzwischen sogar von großen Handelsmarken besetzt wird und eine immer stärkere Konkurrenz zur klassischen Textilsammlung und deren Finanzierungsmodell darstellt;
  • Die sehr volatilen Weltmarktpreise für Alttextilien;
  • Die zunehmenden Importbeschränkungen für Alttextilien in Drittländern.

EU-Textilstrategie 2021

Die Europäische Kommission kündigt für 2021 die Veröffentlichung einer umfassenden EU-Strategie für Textilien an

Unser Stakeholderprozess zum Thema 

Neue Konzepte und Finanzierungslösungen in der Textilsammlung

Im Rahmen unseres Projektes „Kreislaufwirtschaft in Österreich stärken“ organisieren wir 2020/2021 einen bundesweiten Multi-Stakeholder-Prozess zur Umsetzung neuer Konzepte und Finanzierungslösungen in der Textilsammlung.

Ziel ist es, die nationale Ausgestaltung der Umsetzung der EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft im Rahmen eines strukturiert aufgesetzten bundesweiten Multi-Stakeholder-Prozesses zu unterstützen und damit die Kreislaufwirtschaft in Österreich zu stärken.

Der vorliegende Stakeholderprozess entwickelt erste Lösungsansätze und diskutiert drei denkbare Varianten der Textilsammlung:

  • Die Sammlung und Finanzierung der Sammlung von (Alt-)Textilien ohne die Einführung eines Systems der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR-System)
  • ie Sammlung und Finanzierung der Sammlung von (Alt-)Textilien über die Einführung eines Systems der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR-System)
  • Die Sammlung und Finanzierung der Sammlung von (Alt-)Textilien über gemischte oder andere Systeme

Ökologischer Fußabdruck von Textilien

Textilien gehören zu einer von sieben

Produktgruppen mit dem größten

ökologischen Fußabdruck.

 

Übergeordnetes Ziel des Stakeholder-Prozesses zur Entwicklung neuer Konzepte und Finanzierungslösungen in der Textilsammlung ist, die Umsetzung von EU-Gesetzgebung zur Kreislaufwirtschaft im Rahmen eines strukturiert aufgesetzten bundesweiten Multi-Stakeholder-Prozesses zu unterstützen und damit die Kreislaufwirtschaft in Österreich zu stärken. Chancen und Herausforderungen, Risiken und Möglichkeiten sollen aus der Sicht der unterschiedlichen Stakeholder erarbeitet und erste Lösungsansätze entwickelt werden. Insbesondere gilt es, das Sammelsystem für (Alt-)Textilien weiterzuentwickeln sowie einen stabilen Regelungs- und Finanzierungsrahmen zu schaffen.