Nachlese Circular Society, Sept 2025
„Auf dem Weg zur Circular Society – Zivilgesellschaft vernetzt für die Kreislaufwirtschaft“
Online-Veranstaltung des Umweltdachverbandes, 17. September 2025
Wie können wir von einer linearen zu einer zirkulären Gesellschaft kommen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Online-Veranstaltung des Umweltdachverbandes. Rund 20 Teilnehmer:innen diskutierten gemeinsam mit Expert:innen über Ansätze, Chancen und Herausforderungen einer „Circular Society“.
In ihrer Keynote betonte Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben (BTU Cottbus-Senftenberg), dass in der aktuellen Debatte häufig technische Lösungen wie Recycling im Vordergrund stehen, während zentrale Fragen – etwa die Reduktion von Überproduktion und Konsum – zu wenig beachtet werden. Eine echte Circular Society brauche Suffizienz als Leitprinzip: weniger Überfluss, mehr gemeinschaftliche Praktiken, Teilhabe und Transparenz. Ein Problem sei zudem die Exklusivität der Debatte, die oft auf eine gebildete Elite beschränkt bleibe, während kleinere Initiativen zu wenig Gehör finden.
Als Grundlagen einer Circular Society nannte sie:
- Ein Konzept zur Beschreibung von Werten, Orientierungen, Praktiken, Netzwerken und Prozessen, die eine zirkuläre Gesellschaft bilden
- Teilhabe durch Zugang und Transparenz (Bsp.: Open Source, Open Design)
- Teilhabe durch Demokratisierung und Aktivierung (Bedürfnisse statt Begehren in den Vordergrund stellen
- Teilnahme durch Gemeinschaftlichkeit und Kollaboration
- Kreativität und (soziale) Innovativität
In Zusammenarbeit mit der Hans-Sauer-Stiftung entwicklete sie die „Roadmap to a Circular Society” mit. Die darin definierten Forderungen an die Politik sind:
- Aufbau von Kompetenzen für die Kreislaufwirtschaft
- Mehr Raum für Experimente für wegweisende Projekte im Sinne der Kreislaufgesellschaft
- Mehr Zeit für den Kreislaufwandel (Engagement fördern)
- Öffnung für Kreisläufe (dafür notwendig: Design für Wiederverwendung, Reparatur u. Recycling, Transparenz über Materialien und Herstellung)
- Zusammenarbeit und gemeinsame Gestaltung für Kreislaufwirtschaft ermöglichen
- Circular Society und Repair Cafés für alle
- „Befreit den Keller“ (Dinge loswerden, Neuanschaffungen vermeiden)
- Zirkuläre Erfolgsgeschichten sichtbarer machen
Melanie Jaeger-Erben betonte:
„Eine echte Kreislaufwirtschaft braucht mehr als neue Produkte und Geschäftsmodelle – sie lebt von einer Kreislaufgesellschaft, in der Menschen im Alltag zirkulär handeln, Wissen teilen und Verantwortung füreinander und die Dinge übernehmen. Technische Lösungen allein reichen nicht. Nur wenn wir auch unsere Gesellschaft kreislauffähig machen – solidarisch, gerecht und verantwortungsvoll – kann die Kreislaufwirtschaft Wirklichkeit werden.“
In der Diskussion wurde die Bedeutung der lokalen und regionalen Ebene hervorgehoben. Circular Society kann hier Antworten auf aktuelle Herausforderungen geben, während die Entwicklungen auf nationaler sowie EU-Ebene derzeit als schwierig gesehen werden. Zur Begrifflichkeit wurde vorgeschlagen, im deutschsprachigen Raum von „Kreislaufgesellschaft“ oder „zirkulärer Gesellschaft“ zu sprechen.
Im Anschluss stellten 3 Organisationen ihre Initiativen vor:
- Circular Society Stiftung (Dagmar Klamminger) mit dem Ziel Circular Ecosystems als Transformationstool aufzubauen und über ein Crowdfunding sowie Kooperationen voranzubringen
- GLOBAL 2000 (Anna Leitner) mit der Kampagne „Schöner ohne Müll“ – gegen Ressourcenverschwendung und für eine echte Kreislaufwirtschaft
- Ökobüro (Caroline Krecké) mit „Genug für alle“ – einer Kampagne, die auf Suffizienz und Konsumkorridore setzt
Weiters präsentierte Evelina Lundqvist den Aufruf zum Circular Monday als positiven Gegenpol zum Black Friday. Am 24. November 2025 sollen österreichweit Veranstaltungen – online oder offline – stattfinden. Im Mittelpunkt stehen bewusster und kreislauffähiger Konsum – Reparatur, Wiederverwendung, Teilen, Tauschen – kurz: alle Facetten der Kreislaufwirtschaft. Evelina Lundqvist (evelina@thegoodtribe.com) koordiniert den Circular Monday in Österreich.
Der Umweltdachverband plant anlässlich des Circular Monday am 24.11.2025 eine Presseaussendung gemeinsam mit den teilnehmenden Organisationen.
Nachfolgend die vier Präsentationen der Vortragenden:
- Präsentation Keynote Melanie Jaeger-Erben
- Präsentation Dagmar Klamminger
- Präsentation Anna Leitner
- Präsentation Caroline Krecké
Der Online-Workshop fand im Rahmen des Projektes Rethink, Reduce, Reuse: Kreislaufwirtschaft als Schlüssel zur Klimaneutralität von der OeNB statt.