Repair Cafés zeigen, wie Kreislaufwirtschaft funktioniert
Eine neue Studie der Arbeiterkammer Wien, durchgeführt vom Umweltdachverband in Kooperation mit Re-Use Austria beleuchtet:
- die Entwicklung, Verbreitung und den aktuellen Stand der Repair Cafés in Österreich,
- bestehende Träger- und Unterstützungsstrukturen,
- die soziale Dimension dieser Initiativen und
- zentrale Herausforderungen und Erfolgsfaktoren.
In Österreich fanden 2013 die ersten Repair Cafés, eine ursprünglich aus Amsterdam stammende Idee, in den Städten Graz und Salzburg statt. In den letzten Jahren hat sich die Repair-Café-Landschaft kontinuierlich und dynamisch weiterentwickelt. 2024 wurden in Österreich von 95 Repair-Café-Initiativen 863 Veranstaltungen an 227 Standorten durchgeführt. Rund 17.000 Besucher:innen brachten 16.000 defekte Produkte vorbei und mit Hilfe von 1.900 Freiwilligen konnten über 2/3 erfolgreich repariert werden. „Ohne Freiwillige würden Repair Cafés nicht laufen. Sie sind das Herzstück.", so Maria Langsenlehner, eine der Umweltdachverband-Studienautorinnen.
Die Trägerorganisationen der Repair-Café-Initiativen sind sehr heterogen und reichen von formlosen Zusammenschlüssen Freiwilliger über Vereine, Gemeinden bis hin zu Bildungseinrichtungen, kirchlichen Institutionen und Sozialunternehmen. Langsenlehner: „Dort, wo es Service- und Koordinierungsstellen gibt – etwa in Salzburg und Tirol –, laufen die Initiativen oft stabiler, sind besser abgestimmt und insgesamt regional breiter aufgestellt.“
Repair Cafés sind nicht nur Orte des Reparierens, sondern auch Lern-, Begegnungs- und Gemeinschaftsräume. Die Motivation der Besucher:innen ist sehr vielfältig. Manche kommen aus Kostengründen oder aufgrund fehlender Anlaufstellen im professionellen Bereich und bei anderen überwiegt der Nachhaltigkeitsgedanke oder soziale Aspekt. Repair Cafés stärken Gemeinschaft, fördern Wissensaustausch, Selbstwirksamkeit und Teilhabe. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass bestimmte Gruppen bislang noch zu wenig erreicht werden, etwa jüngere Menschen oder Menschen mit Migrationshintergrund.
Um die Potenziale der Repair Cafés in Österreich weiter auszuschöpfen und deren Verstetigung sowie langfristige Etablierung als zentrale Akteure der Kreislaufwirtschaft zu fördern, braucht es:
- Einen Ausbau und die dauerhafte Förderung von Service- und Koordinierungsstellen für Repair Cafés - bundesweit und in den Ländern.
- Die Berücksichtigung von Repair Cafés in kommunalen, regionalen und länderspezifischen Umwelt-, Klima- und Energieförderungsprogrammen.
- Die Forcierung einer nachhaltigen Produktgestaltung, die verpflichtende Bereitstellung von Ersatzteilen und Reparaturinfos (rasche und ambitionierte Umsetzung der Ökodesign-Verordnung) sowie die Aufnahme der Repair Cafés ins Reparaturregister (Right-to-Repair Richtlinie).
- Mehr Bewusstseinsbildung für nachhaltigen Konsum und Reparatur-Know-how eng verknüpft mit Bildung für nachhaltige Entwicklung.
- Kooperationen mit Jugendzentren, sozialen Einrichtungen, multikulturellen Organisationen und starke Social Media-Kampagnen.
Zur Studie: Repair Cafes in Österreich