Abfallvermeidung im Textilsektor

Stoffrollen_Abfallvermeidung

 

Vor dem Hintergrund der massiven Auswirkungen der Textilindustrie auf Umwelt, Klima und Gesellschaft ist der Umgang mit Textilien zunehmend in den Fokus der europäischen Kreislaufwirtschaftspolitik geraten.

Das im Dezember 2015 veröffentlichte Kreislaufwirtschaftspaket der Europäischen Kommission führte zu entscheidenden Änderungen der Abfallrahmenrichtlinie. Die Abfallrahmenrichtlinie trat im Juli 2018 in Kraft. Wichtige Änderungen und damit Umsetzungserfordernisse betreffen auch den Textilsektor.

Zusätzlich priorisiert der im März 2020 veröffentlichte Kreislaufwirtschaftsaktionsplan der Europäischen Kommission Textilien als eine der Produktgruppen mit dem größten ökologischen Fußabdruck und kündigt für 2021 die Veröffentlichung einer Europäischen Textilstrategie an. Hintergrund dieser Maßnahmen sind die massiven Auswirkungen der Textilindustrie auf Umwelt, Klima und Gesellschaft.

Im europäischen Vergleich gaben Österreicher*innen 2018 am meisten Geld für Kleidungsstücke aus, nämlich 1.082,80 Euro pro Kopf

Unser Stakeholderprozess

Im Rahmen unseres Projektes „Kreislaufwirtschaft in Österreich stärken“ organisieren wir 2020/2021 einen bundesweiten Multi-Stakeholder-Prozess zur Umsetzung der geänderten Abfallrahmenrichtlinie im Textilbereich.

Ziel ist es, die nationale Ausgestaltung der Umsetzung von EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft im Rahmen eines strukturiert aufgesetzten bundesweiten Multi-Stakeholder-Prozesses zu unterstützen und damit die Kreislaufwirtschaft in Österreich zu stärken.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Vorgaben zur Stärkung der Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Vorbereitung zur Wiederverwendung von Textilien. Hierzu werden erste Lösungsansätze für die Umsetzung entwickelt.

Gegenstand des SH-Prozesses sind

  • die neuen Zielvorgaben für die Vorbereitung zur Wiederverwendung
  • die neuen Pflichten zur Abfallvermeidung und zur Förderung der Vorbereitung zur Wiederverwendung und i.d.Z. die gemeinsame Entwicklung von Maßnahmen zur Vermeidung der Entstehung von Textilabfällen durch Förderung von Wiederverwendung außerhalb des Abfallregimes, als auch zur Förderung der Vorbereitung zur Wiederverwendung als prioritäre Maßnahme vor dem Recycling oder anderer Verwertungsarten zu treffen
  • die neuen Pflichten der Mitgliedstaaten zur Messung, Dokumentation und Berichterstattung zur Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Vorbereitung zur Wiederverwendung.

Die Herstellung von Textilien erzeugt pro hergestellte Tonne etwa 15-35 Tonnen CO2. Damit entstehen durch die globale Bekleidungsindustrie mehr Treibhausgase als beim internationalen Flugverkehr und dem maritimen Schiffverkehr zusammen.  

Quellen

Labfresh (2020) Mode-Abfall Index
UN Environment Programme (2020) Sustainability and Circularity in the Textile Value Chain