EU Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft 2020

Der neue EU Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft 

EU unternimmt beispiellosen Schritt gegen die lineare „Wegwerfwirtschaft“

 

circular economy 2020Die EU hat am 11. März ihren Masterplan für die Kreislaufwirtschaft vorgestellt. Mit dem Aktionsplan wird ein entscheidender Schritt gesetzt,  um Europa von einer linearen Wegwerfwirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu transformieren und damit einen Paradigmenwechsel für das europäische Wirtschaftssystem einzuleiten. Eine Kreislaufwirtschaft schont die natürlichen Ressourcen und ist eine Voraussetzung, um unsere Klimaziele zu erreichen und dem Verlust der Artenvielfalt Einhalt zu gebieten. Die Hälfte der gesamten Treibhausgasemissionen und mehr als 90 % des Verlusts an biologischer Vielfalt sowie der Wasserstress sind auf die Gewinnung von Ressourcen und deren Verarbeitung zurückzuführen.

Der neue Aktionsplan der Europäischen Kommission für die Kreislaufwirtschaft (CEAP) ist der ehrgeizigste und umfassendste Vorschlag, der bisher von der EU vorgelegt wurde, um die Umwelt- und Klimaauswirkungen unserer Produkte und wirtschaftlichen Aktivitäten zu verringern. Die Maßnahmen zielen darauf ab, einen starken und einheitlichen Rahmen für die Produktpolitik zu schaffen, durch den nachhaltige Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zur Norm werden, und die Verbrauchsmuster so zu verändern, dass von vornherein kein Abfall erzeugt wird. Zwar fehlen nach wie vor klare und messbare Ziele in Bezug auf den Gesamtverbrauch von Rohstoffen in der Wirtschaft. Grundsätzlich wird mit dem Aktionsplan aber ein Maßnahmenkatalog auf den Weg gebracht, der die Art und Weise, wie wir unsere Produkte herstellen und verwenden, entscheidend im Sinne einer Kreislaufwirtschaft verändern kann.

Der neue Rahmen für eine nachhaltige Produktpolitik umfasst drei wesentliche Bausteine:

  • Maßnahmen zur Produktgestaltung
  • Maßnahmen zur Stärkung der Position der Verbraucher und
  • Maßnahmen für nachhaltigere Produktionsprozesse

Produktgruppen mit dem größten ökologischen Fußabdruck ("zentrale Produktwertschöpfungsketten"), darunter Textilien, Elektronik und IKT, Batterien, Bauwirtschaft und Gebäude, Verpackungen und, wenn auch weniger prominent, Möbel und Fahrzeuge, werden vorranging behandelt. Weitere Produktgruppen sollen auf der Grundlage ihrer Umweltauswirkungen und ihres Kreislaufpotenzials festgelegt werden.

Zahlreiche Maßnahmen zielen darauf ab, nachhaltige Produkte zur Norm zu machen und vorzeitige Obsoleszenz zu bekämpfen. Beispielsweise erleichtern Mindestanforderungen an die Reparaturfähigkeit die  Demontage von Smartphones und verlängern damit ihre Lebensdauer erheblich.

Die EU plant auch, ein Ziel für die Verringerung der Lebensmittelverschwendung festzulegen und verspricht, weitere Schritte zur Verringerung von Verpackungen zu setzen. Der Aktionsplan befasst sich zudem -wenn auch noch unzureichend - mit den Problemen im Zusammenhang mit Mikroplastik sowie der Beschaffung und Verwendung biobasierter und biologisch abbaubarer Kunststoffe.

Zur Stärkung der Position von Verbrauchern plant die Kommission unter anderem, die weitere Stärkung des Schutzes der Verbraucher vor "Grünfärberei" und vorzeitiger Obsoleszenz zu prüfen und Mindestanforderungen für Nachhaltigkeitssiegel/-logos sowie für Informationsinstrumente festzulegen.

Die ausdrückliche Anerkennung und Unterstützung der Rolle sozialer Unternehmen in der Kreislaufwirtschaft ist ein wichtiger Schritt zur Förderung eines integrativen und gerechten Übergangs in die Kreislaufwirtschaft. Durch die Stärkung der Sozialwirtschaft, deren Vorreiterrolle bei der Schaffung von Arbeitsplätzen mit Bezug zur Kreislaufwirtschaft im Aktionsplan ausdrücklich anerkannt wird, können die arbeitsintensiven Aktivitäten der Wiederverwendung, Reparatur und Wiederaufarbeitung durch die Vermittlung von Fähigkeiten und die  Schaffung von Arbeitsplätzen für Benachteiligte einen höheren sozialen Wert erzielen.

Zu bedauern ist, dass zwar ein Ziel für den Anteil der Sekundärmaterialien an der Wirtschaft bis 2030 festgelegt wurde, jedoch separate  ReUse-Ziele (Wiederverwendungsquoten) sowie ein Ziel für den erforderlichen Rückgang im absoluten Gesamtverbrauch von Rohstoffen in der Wirtschaft  fehlen. Auch Ziele zur Abfallvermeidung für Unternehmen und Industrie fehlen. 

Insgesamt ist der Aktionsplan der Kommission als wichtiger und ambitionierter Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft zu bewerten. Die Umsetzung der Maßnahmen sollte genutzt werden, um Ziele nachzuschärfen und so dem Potential einer Kreislaufwirtschaft sowohl auf EU-Ebene als auch in den Mitgliedstaaten voll Rechnung zu tragen. Einige Vorreiterstaaten der Europäischen Union haben dies bereits erkannt und entsprechende Zielsetzungen für die Kreislaufwirtschaft in nationalen Strategien und Roadmaps verankert. 

Pressemitteilungen unserer Partner in Brüssel zum CEAP 2020:

Die Pressemitteilung und einen ausführlichen Kommentar des EEB in Brüssel finden Sie hierDas European Environmental Bureau (EEB) mit Sitz in Brüssel ist Dachverband von mehr als 160 Umwelt- und Naturschutzorganisationen in ganz Europa.

Die Pressemitteilung des Dachverbands RREUSE in Brüssel finden Sie hier. Das europäischen Netzwerks RREUSE (Recycling and Reuse of European Social Enterprises) mit Sitz in Brüssel vertritt nationale sozialwirtschaftlichen Re-Use-Dachverbände und Netzwerke in der EU.

Informationen der Europäischen Kommission zum neuen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft (CEAP)

Den vollständigen Text des CEAP finden Sie hier.

Der Anhang mit den rd. 35 für die nächsten 5 Jahre geplanten Maßnahmen kann hier separat heruntergeladen werden.

Die Pressemitteilung der Kommission finden Sie hier.

Fragen und Antworten der Kommission zum neuen Aktionsplan können hier heruntergeladen werden.

Ein Factsheet zum CEAP der Kommission finden Sie hier.

Sehr interessant zu lesen ist auch das Arbeitsdokument der Kommission mit  Hintergrundinformationen zur globalen Kreislaufwirtschaft.

Ausführlichere Informationen zur neuen Produktpolitik finden Sie auf unserer Webseite hier.